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Diesmal ist es nicht der Vater, sondern der Bruder, der den verlorenen Haufen seiner Brüder annimmt, ihm Nahrung und Wohnung gibt. Dass er dabei auch über sich selbst hinauswachsen muss, macht die Geschichte deutlich. »Stehe ich denn an Gottes Statt?« Das ist eine Einsicht, zu der er sich selber erst einmal durchringen muss; eine Einsicht, die zugleich gegen alles ›Richten‹ steht, in dem sich ein Sünder über den anderen erhebt. Das gilt auch für die Situation, die Paulus — in der Epistel Röm 14,10-13 — im Auge hat: ›Starke‹ und ›Schwache im Glauben‹ (V. 1) weisen sich gegenseitig auf dicke Balken in ihren Augen hin, wobei deutlich wird, dass auch jedes ›Verachten‹ ein ›Richten‹ ist.
Der Wochenspruch Gal 6,2 gibt all dem eine positive Wendung: »Einer trage des andern Last, so werdet ihr das Gesetz Christi erfüllen.« Das zweite Tagesgebet formuliert: »...hilf, dass auch wir barmherzig sind und die ertragen, die du erträgst«, und das dritte fährt fort: »Gib uns Anteil an der Weite deines Herzens.« Was das für Folgen haben kann — bis in den gesellschaftlichen, wirtschaftlichen, politischen Bereich hinein — wird denen deutlich werden, die das neue Wochenlied EG 428 aufmerksam singen.
Liturgische Farbe: grün
Evangelium: Lk 6,36-42
Predigt: Röm 14,10-13
Wochenlied: O Gott, du frommer Gott (EG 495)
Liebender und gerechter Gott.
Dir verdanken wir unser Leben.
Du schenkst uns unseren Platz in deiner Schöpfung.
Durch deine Barmherzigkeit leben wir nicht allein.
Du gibst uns unsere Nächsten, unsere Familie und unsere Freunde,
Du gibst uns Menschen, die uns zu tragen aufgeben
und um die wir uns sorgen,
Menschen, die uns fern sind und doch ein Teil unseres Lebens sind.
Durch deine Liebe verbindest du uns untereinander zu deiner Gemeinde.
Wir danken dir und loben dich.
Durch Christus bitten wir dich:
Sei mit deiner Gnade bei uns, du treuer Gott.
Du schaust mit liebenden Augen auf deine Menschen.
Wir bitten dich:
Schenke deinen liebenden Blick allen,
die über andere urteilen:
vor den Gerichtshöfen,
in den Schulen,
auf den Ämtern und in den Jobcentern,
in den politischen Diskussionen.
Lass sie in ihrem Urteil die Würde der anderen wahren
und in jedem Menschen dein Ebenbild erkennen.
Wir bitten dich:
Sei mit deiner Gnade bei uns, du treuer Gott.
Du hörst die Klagen der Leidenden.
Du verschließt deine Ohren nicht vor dem Seufzen deiner Schöpfung.
Du hörst das Schreien
in den Kriegen
in Kirgisien, in Afghanistan, im Irak.
Du hörst die Qual der von uns Menschen zerstörten
Wälder und Meere.
Wir bitten dich:
Öffne unsere Herzen für die Not in dieser Welt.
Bewege uns,
damit Gebeugte sich aufrichten,
damit Hungernde satt werden,
damit Verzweifelte Trost schöpfen,
damit die Gewalt aufhört und Frieden einkehrt.
Durch Christus bitten wir dich:
Sei mit deiner Gnade bei uns, du treuer Gott.
Deine Gegenwart erfüllt die Welt,
du gibst niemanden preis.
Du erbarmst dich der Kranken und der Sterbenden.
In deinen Händen sind wir im Leben und im Sterben geborgen.
Wir bitten dich:
Segne das Tun aller,
die Kranke pflegen,
Sterbende begleiten,
Trauernde trösten,
Verzweifelten das Licht zeigen.
Durch Christus bitten wir dich:
Sei mit deiner Gnade bei uns, du treuer Gott.
Du sprichst zu uns durch dein Wort.
Du hast deine Kirche berufen, deine Liebe zu verkünden.
Du machst uns zu deinen Zeuginnen und Zeugen.
Wir bitten dich:
Lege uns dein Wort in den Mund, deine Taten weiter zu erzählen.
Sprich durch uns.
Begeistere deine Kirche und schenke ihr Einheit.
Durch Christus bitten wir dich:
Sei mit deiner Gnade bei uns, du treuer Gott.
Durch Jesus Christus, deinen Sohn, unseren Bruder und Herrn,
vertrauen wir uns dir an.
Heute und alle Tage. Amen.
Die Geburt Johannes des Täufers zeigt,
dass Gott unsere menschlichen Grenzen
mit seiner Schöpferkraft überwindet.
Lasst uns für alle beten,
die auf Gottes liebendes Eingreifen hoffen:
für die Menschen,
die in Sorge für ihre Nächsten leben,
die unheilbar krank sind,
die trauern,
die ihre Lebensträume in Gefahr sehen,
die verzweifelt vor den Trümmern ihres Lebens stehen.
Wir rufen zu Gott:
Höre unsere Bitten!
Johannes der Täufer hat die Menschen zur Umkehr gerufen.
Lasst uns darum beten,
dass wir Menschen die Wege des Todes verlassen.
Lasst uns darum beten,
dass die Mächtigen ihre Verantwortung
für das Wohl der ihnen Anvertrauten wahrnehmen.
Lasst uns darum beten,
dass wir uns dem Frieden Christi öffnen
und in Gerechtigkeit miteinander leben.
Wir rufen zu Gott:
Höre unsere Bitten!
Johannes der Täufer kündigte das Kommen Jesu an
und musste für sein Zeugnis leiden.
Lasst uns für alle beten,
die wegen ihres Glaubens verfolgt werden.
Lasst uns darum beten,
dass wir aufmerksam werden für die Gegenwart Christi.
Lasst uns darum beten,
dass die Kirche auf Christus hinweist, so wie es Johannes tat.
Wir rufen zu Gott:
Höre unsere Bitten!
Durch die herzliche Barmherzigkeit unseres Gottes wird uns das aufgehende Licht aus der Höhe besuchen.
Lasst uns Gott bitten:
Erscheine uns,
denn wir sitzen in Finsternis und Schatten des Todes.
Erscheine uns und segne uns durch deine Gegenwart in Jesus Christus.
Amen.
Weitere Gebete zu den Sonn- und Festtagen